Konflikt mit einem türkischen Manager in Australien

Situation

Peter nimmt einen Vollzeitjob in einer Beratungsfirma an. Sie hat ihren Hauptsitz in Perth an der Westküste Australiens. Sein erstes Projekt ist die Koordination in einem Senior Team. Es zeichnet sich durch ein extrem hohes hierarchisches Gefälle aus: Ein Partner und drei Direktoren sind außer ihm involviert. Die Aufgabe besteht darin, ein Programm für einen wichtigen Kunden zu steuern, das aus fünfzehn Einzelprojekten besteht. Peter arbeitet eng mit dem Partner zusammen. Sie analysieren den Fortschritt der Projekte und sichern sie gegen Risiken ab. Dafür hat er sich wöchentlich mit den drei Direktoren abzustimmen. Jeder für sich betreut wiederum fünf Projekte. Die Zusammenarbeit mit zwei der Direktoren ist großartig: Offensichtlich denkt man in eine ähnliche Richtung. Der dritte Vorgesetzte reagiert jedoch anders.

Problem

So verschiebt er immer wieder Termine der Meetings mit dem Hinweis, er habe anderes und überhaupt wichtigere Dinge zu tun. Er stehe unter Stress. Erst kürzlich sei er extra aus der Türkei nach Australien gezogen, kurz bevor das Projekt startete. Peter ist sich im Zweifel darüber, was er jetzt tun soll. Schließlich kann er in seiner Position keinem Direktor sagen, wie dieser seine Arbeit zu machen hat. Gleichzeitig aber erwartet der Partner der Unternehmensberatung von ihm rasche Resultate. 

Folgen

Zunächst versucht Peter das Problem zu lösen, indem er die Übernahme von Aufgaben anbietet. Das bringt den betreffenden Direktor aber erst recht auf die Palme - er weist das Angebot zurück mit dem Hinweis, das sei schließlich sein Projekt und Peter habe daran keinerlei Anteil. Dieser macht in seiner Rolle als Projektkoordinator deutlich: Es besteht Druck seitens des Partners hinsichtlich der Fristen. Wiederum lehnt der Direktor ab. An diesem Punkt angekommen, eskaliert das Gespräch: Er wird ärgerlich und weist Peters Ansinnen barsch zurück mit dem Hinweis, dieser sei schließlich nur Berater. Daher hätte er keinerlei Recht, von ihm etwas zu fordern. Außerdem weist er ihn an, den Partner nicht von dem Konflikt zu informieren. Dieser hätte schließlich genügend andere Sorgen. Peter ist schockiert, welch persönliche Wendung das Gespräch plötzlich nimmt. Aus seiner Sicht hat er die Sachlage in freundlicher und verbindlicher Weise dargelegt.

Lösung
  • Für eine angemessene Lösung dieses Falls zieht man am besten die Ergebnisse der Globe Studie heran, denn in erster Line geht es um interne und externe Funktionen sowie um die Fallhöhe der Hierarchie. Insofern stehen nicht erstrangig kulturelle Unterschiede oder Kommunikationsweisen im Fokus.
  • Die Erwartungen an den praktizierten Führungsstil sind höchst different: Mitteleuropäer und Australier bevorzugen Partizipation. Auch Mitarbeiter werden in Entscheidungen einbezogen.
  • Der neue Direktor aus der Türkei hingegen bezieht seine Vorstellungen von Führung aus einer anderen Region: Er reagiert defensiv und glaubt Position und Status verteidigen zu müssen.
  • Peter hat den Konflikt schließlich mit Hilfe eines erfahrenen Kollegen gelöst, den er ins Vertrauen zog. Dieser hatte schon in anderen Zusammenhängen mit dem Direktor zu tun und war mit der Reaktionsweise vertraut. Er wies ihn mit deutlichen Worten auf die Konsequenzen der Verzögerung hin, die den gesamten Projekterfolg zu gefährden drohte.

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